Teil 1: Deinen eigenen Lebenskompass erstellen

Wir haben lange funktioniert

Wenn du die 50 überschritten hast, hast du schon einige Seemeilen hinter dir.

Irgendwann bist du an Bord des Familienschiffes gegangen und hast abgelegt. Du hast die Maschine am Laufen gehalten, das Deck geschrubbt und in der Kombüse Mahlzeiten zubereitet. Bei Sturm hast du die Mannschaft beruhigt, bei Flaute kräftig gerudert.

Du bist nachts aufgestanden, weil dein Kind krank war oder von einer Party abgeholt werden musste. Du hast am Spielfeldrand gejubelt und bei Theateraufführungen applaudiert.
Neben Familie und Alltag hast du gearbeitet, organisiert und versucht, allem gerecht zu werden.
„Pizza oder Döner?“
„Was wollt ihr?“

Ein Kutter fährt Richtung Horizont
Kutter auf seinem Weg

Etwas verändert sich

Dann kommt die Zeit, in der deine Kinder flügge werden. Sie wollen ihren Kurs selbst bestimmen.

Du willst die Karriereleiter nicht mehr höher hinaufklettern. Deinen Job erledigst du routiniert, die großen Herausforderungen übernehmen jetzt andere – und das ist auch gut so.

Und plötzlich hast du Zeit.
Während du jahrelang fast atemlos durch den Alltag gerast bist, kannst du wieder durchatmen. Du hast Zeit, an der Reling zu stehen und auf den Horizont zu blicken.
Ganz leise tauchen Fragen auf:

Wo will ich eigentlich hin?
Welchen Hafen möchte ich jetzt anlaufen?

Bisher hast du das Schiff am Laufen gehalten, aber den Kurs haben oft andere bestimmt.


So ging es mir

Als meine Kinder ausgezogen waren, habe ich gern Frauen-Podcasts gehört.

Frauen erzählten dort, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Sie waren voller Ideen und ständig beschäftigt. In einem waren sie sich einig: Der Tag hat zu wenig Stunden.

Ich lehnte mich zurück und spürte etwas völlig Neues: Ich hatte Zeit. Nicht nur im Alltag, sondern auch im Kopf.
Meine Gedanken kreisten nicht mehr ständig darum, ob der Sohn genug für die Mathearbeit gelernt hatte oder warum die Tochter noch keine Bewerbungen schrieb. Die Kinder waren weit weg, und ich vertraute darauf, dass sie ihren Alltag meistern würden.
Im Haus gab es weniger zu tun. Die Wäscheberge wurden kleiner, der Dreck weniger. Ich musste nicht mehr für fünf Personen einkaufen und kochen. Mein Mann und ich saßen vor viel zu großen Portionen, die für drei Tage reichten.
Ich musste nicht mehr rund um die Uhr funktionieren.

Und nun?


Was fange ich mit meiner Zeit an?

Fast hatte ich ein schlechtes Gewissen. Wie kann man denn Zeit haben? Jeder engagierte Mensch klagt doch über zu wenig davon – und ich hatte plötzlich zu viel.

Mein Kopf wollte sich bewegen. In mir entstand eine Unruhe und eine Sehnsucht nach neuen Gedanken.


Eine neue Lebensphase beginnt

In mir wurde eine Leere spürbar.

Wo will ich eigentlich hin?

„Döner oder Pizza?“
Plötzlich wurde mir klar: Eigentlich mag ich beides nicht besonders. Als Familienfrau hatte ich meine Wünsche oft selbstverständlich zurückgestellt – nicht schlimm, dachte ich damals.

Aber was mag ich eigentlich?

So lange hatte ich meine Bedürfnisse hinten angestellt, dass ich meine eigenen Prioritäten kaum noch spürte.

Was brauche ich?
Was mag ich – und was nicht?
Was ist mir wichtig?

Meine Erkenntnis kam langsam:

Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt – meine zweite Lebenshälfte.

Ich lebe in einem Land, in dem Frieden herrscht, in dem wir dank guter medizinischer Versorgung auch mit über 50 noch viele Möglichkeiten haben.

Im Dauerlauf von Pflicht zu Pflicht

Wir laufen und laufen und versuchen allen und allem gerecht zu werden.

Genau dort begann meine eigentliche Suche

Nach meinen Werten – Nach dem, was mir wirklich wichtig ist. Nach einem Kompass für meine zweite Lebenshälfte, um meinen Kurs zu bestimmen.

Vielleicht ist genau jetzt die Zeit gekommen, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen.

Und darum geht es in dieser Blogreihe: Finde heraus, was dir wichtig ist, bestimme deinen Kurs.

Lasst uns gemeinsam unseren eigenen Wertekompass entwickeln.

Im nächsten Artikel geht es weiter, ich freue mich auf dich.

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Alles Liebe Mara

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